11. November Pelzemärteltag

              P E L Z E M Ä R T E L

Das Video zeigt, wie früher so ein Besuch des Pelzemärtels abgelaufen ist. Viel Spaß beim Ansehen.

 

Einige von Ihnen werden jetzt überhaupt nicht verstehen, wer dieser Pelzemärtel ist. Kurze Erklärung: Der Pelzemärtel ist der fränkische "Nikolaus". Bei dieser Erklärung möchten wir es aber nicht belassen.

 

Der Vergleich mit dem Nikolaus stimmt. Aber in dem Namen Pelzemärtel steckt der Name "Märtel". Märtel ist eine Kurzform von Martin. Der Pelzemärtel kommt am 11. November, das ist der Martinstag, den man auch  "Martini" nennt.

An Martini endete für Knechte und Mägde das Arbeitsjahr. Sie wurden von ihren Dienstherren ausbezahlt und beschenkt. Am Tag danach begann die sechswöchige Fastenzeit vor Weihnachten, in der man kein Fleisch mehr essen durfte. So wurden an Martini viele Gänse geschlachtet. Man brauchte die feinen Federn (Daunen) für die Bettdecken im Winter. Außerdem mussten Gänse geschlachtet werden, damit man weniger von ihnen durch den Winter bringen musste.

 

Daher gibt es heute noch die Tradition, dass an Martini Gänsebraten gegessen wurde. Es war vor der Fastenzeit noch einmal ein lustiger Tag.

St. Nikolaus, 06. Dezember

St. Nikolaus war ein großer Heiliger und wurde im Mittelalter sehr verehrt. Viele Kirchen wurden ihm geweiht.

Er war ein Kinderfreund. Deshalb besuchte er die Kinder an seinem Namenstag,

Er befragte sie nach ihren guten und bösen Taten. Brave Kinder wurden belohnt und die bösen Kinder wurden bestraft. Da aber ein Heiliger Kinder nicht bestrafen konnte, brauchte er einen Begleiter, der böse Kinder bestrafte.

 

Pelzemärtel, 11.November

Mit Beginn der Neuzeit, Anfang 16. Jh., übte Martin Luther Kritik an der damaligen Kirche. Er schaffte den Heiligenkult ab. 

In Gegenden, in denen man zum evangelischen Glauben über-getreten war, konnte St. Nikolaus als Heiliger nicht mehr zu den Kindern kommen. Man brauchte Ersatz, denn auf die Funktion des St. Nikolaus als Erziehungsmittel wollte man nicht verzichten.

So übernahm z. B. der Knecht Rupprecht allein die Fünktion des St. Nikolaus'. Er konnte strafen und belohnen in einer Person.

Woanders nahm man dem St. Nikolaus die Heiligkeit und nannte ihn Nickel. Ein altes Wort für "schlagen" war "pelsen". Das setzte man vor "Nickl" und so kam der Pelsenickl zu den Kindern.

 

Im evangelischen Franken ging man ganz vom Nikolaus und dem 06. Dezember ab. Man besann sich  auf den letzten Tag vor der Weihnachtsfastenzeit. Das war Martini, der 11. November, auch Martinstag genannt. Da Mägde und Knechte an diesem Tag beschenkt wurden, wollte man gleichzeitig auch die Kinder beschenken. Dazu brauchte man aber eine Respektsperson, die die Kinder mit Süßigkeiten belohnte, wenn sie brav gewesen oder bestrafte, wenn sie böse waren. Die Kinder sollten sich fürchten. Da erinnerte man sich an alte Waldschrate, die früher in den Wäldern zu dieser Zeit die bösen Wintergeister verängstigen sollten. Ein Waldschrat sah böse aus und er  konnte auch Kinder  schlagen. Ein altes Wort für schlagen ist "pelsen", das musste im Namen vorkommen. Weil er aber auch brave Kinder belohnen sollte, musste im Namen Milde und Vertrautheit zum Ausdruck kommen. Da bot sich der Name Martin in der vertrauten Form Märtl an. So entstand der Name Pelzemärtel.

In dem Pelzemärtel steckt auch ein wenig die Erinnerung an den St. Martin und es ist eine Verbindung zu Martin Luther.

 

Der Arbeitskreis Frauenaurach im Heimat- und Geschichtsverein Erlangen e.V. hat sich seit seiner Gründung 1982 stets um das alt hergebrachte Brauchtum bemüht. So haben wir gleich zu Beginn unseres Wirkens die Kirchweih wieder ins Dorf zurückgeholt. Beim Pelzemärtel war es schwer, ihn lebendig zu erhalten. In Frauenaurach haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg viele Menschen aus sehr unterschiedlichen Gegenden angesiedelt. So kommt der Pelzemärtel am 11. November nur noch zu wenigen Familien.

Wir wollen diesen Brauch nicht ganz aussterben lassen. Deshalb erklären wir hier auf unserer Website wer und was der Pelsemärtel ist. Inzwischen haben wir in Frauenaurach eine gute Verbindung mit Heiligem, mit Martin, mit Pelzmärtel und demLaternenumzug gefunden.

 

1984 regten wir für den 11. November einen Laternenumzug an, der vor allem von der Schule in Frauenaurach - sie war damals noch eine Grund- und Teilhauptschule - sehr gut angenommen wurde. Von Beginn an legten wir gemeinsam fest, dass ein Martin im Pelzemärtel-Mantel  die Kinder auf dem Herdegenplatz auf einer Bühne empfängt.  Die  Schüler kommen in einem Laternenzug von der Schule zum  Herdegenplatz.

Die Schule hat zusätzlich das Moto eingeführt "So wie Martin will ich sein". Deshalb steigen die Schüler  in kleinen Gruppen zu ihm auf die Bühne und erzählen dem Martin-Pelzemärtel von ihren guten Taten. Sie singen fröhlich und mit Begeisterung bekannte und neue Laternen-Martinslieder. Dieser Abend ist inzwischen immer ein besonderes Ereignis und längst eine Tradition geworden, zu deren Gelingen außer der Schule viele örtliche Vereine durch ihre Hilfe beitragen. Eine besonders festliche Note erhält die abendliche Veranstaltung durch den Frauauracher Posaunenchor.

Viele Erwachse bleiben nach der Veranstaltung noch auf dem Herdegenplatz, denn es gibt Glühwein, Kinderpunsch und Bratwurst.

2008 auf dem Herdegen- platz

Unser Pelzemärtel

2009 auf dem Herdegen-platz

Bilder und Fotos: T'fyllidis

Texte: Jutta Triantafyllidis

Literatur:

Alfred Kriegelstein, Hrsg, Jahresablauf - Brauchtum in Franken, 1986

Werner Metzger, St. Nikolaus zwischen Kult und Klamauk, 1993

Alfons Schweigert, Winter - und Weihnachtsgeister in Bayern, 1996

Josef Dünninger, Bräuche und Feste im fränkischen Jahreslauf

Jutta Triantafyllidis, Marianne Krauß, Morgen kommt der ... bringt euch gute Gaben, Brauchtumsentwicklung 1997